Bergbauwanderweg Muttental – auf den Spuren des Bergbaus im Ruhrgebiet wandern

Im Muttental in Witten waren einst zahlreiche Kleinzechen angesiedelt, die die Steinkohle aus Stollen und Schächten förderten. Noch heute ist die Gegend durchzogen von den stillgelegten Stollen, die in den Berg hinein geschlagen wurden, um an das „schwarze Gold“ zu gelangen. Der Bergbauwanderweg Muttental ist eine schöne Gelegenheit, um mehr über die Steinkohleförderung in dieser Gegend zu erfahren, in der die Kohleflöze teilweise zu Tage treten.

Wir werden durch das Muttental wandern und dabei in die Geschichte der Steinkohleförderung eintauchen. Erfahre auf diesem bergbauhistorischen Wanderweg mehr über die Förderung und die Bedeutung der Steinkohle in dieser Region. Seit Jahrhunderten wird hier in der Region Steinkohle abgebaut. Der Muttental Rundwanderweg führt dich an vielen Stolleneingängen und Schächten vorbei, sowie an so manche Sehenswürdigkeit. Dabei werden dir stets auf Infotafeln interessante Dinge über den Bergbau erklärt. Du findest sie immer wieder am Wegesrand.

Bergbauwanderweg Muttental
Der Bergbauwanderweg Muttental führt an vielen Stolleneingängen vorbei.

Wegbeschaffenheit

Mit seinen 160 Höhenmetern ist der Bergbaurundweg Muttental noch moderat. Besondere technische Kenntnisse sind nicht erforderlich. Die Wanderstrecke verläuft überwiegend auf Waldwegen. Bitte beachte, dass gerade bei regnerischem Wetter unbedingt festes Schuhwerk nötig ist, da die Wege sehr matschig und dadurch rutschig sein können. Ich spreche da aus Erfahrung. Leider habe ich die vorangegangenen Regentage unterschätzt und bin die Wanderung in normalen Turnschuhen gegangen. Abgesehen davon, dass die Schuhe anschließend dringend in die Waschmaschine gehörten, musste ich auch mein Wandertempo deutlich drosseln, da es an manchen Stellen zu einer gehörigen Rutschpartie geworden ist.

Info
Länge: Unsere Wandertour ist etwa 10,2 km lang und dauert ungefähr 3 Stunden.
Höhenmeter: Der Weg besitzt circa 160 Höhenmeter.
Schwierigkeit: mittelschwer

Wie gelange ich zum Bergbauwanderweg Muttental?

Anfahrt: Du erreichst das Muttental über die Autobahn A46 / A43 (Ausfahrt Sprockhövel), dann B234 Richtung Sprockhövel/Hattingen fahren. Anschließend links auf Wittener Straße den Schildern nach Witten folgen.
Oder aber über die Autobahn A40 / A43 (Ausfahrt Witten-Heven), dann Richtung Witten-Heven fahren. Anschließend auf Herbeder Str. und Ruhrdeich/B226 bis Nachtigallstraße fahren.
Parken: Parkplatz Nachtigallstraße beim Gruben- und Feldbahnmuseum
Adresse für das Navigationsgerät: Nachtigallstraße 27-33, 58452 Witten

Sehenswertes während der Wanderung

Unsere Wanderung auf dem Bergbauwanderweg Muttental startet am Gruben- und Feldbahnmuseum. Dazu werde ich später noch mehr berichten. Für uns geht es erst einmal die Straße etwas bergauf, bis wir am Schloss Steinhausen vorbeikommen.

Skulpturenpark Shona-Art am Schloss Steinhausen

Schloss Steinhausen
Jede Menge Skulpturen im Innenhof von Schloss Steinhausen.

In dem ehemaligen Rittergut ist heute ein Restaurant und ein Künstleratelier untergebracht. Schon vor dem Schloss fallen uns große tierische Skulpturen auf: kämpfende Stiere, Giraffen und süße Elefanten. Sie sind Teil eines Skulpturenparks, der Shona-Skulpturen aus Simbabwe ausstellt. Nutze die Gelegenheit und mache einen Abstecher dorthin, um die vielen unterschiedlichen Skulpturen zu besichtigen.

Skulpturenpark Shona-Art
Auf Steinhausen 28
58452 Witten
https://shona-art.com

Öffnungszeiten
Winter: Mo – Fr 12.00 Uhr – 17.00 Uhr
Sommer: Mi – So 12.00 Uhr – 18.00 Uhr

Nach der Besichtigung der vielen unterschiedlichen Skulpturen und des Innenhofes von Schloss Steinhausen geht es nun weiter bergauf. Kurz bevor wir zu einem alten Herrenhaus gelangen, biegen wir ab und begeben uns in den Wald hinein. Die waldigen Wege werden jetzt ziemlich matschig, da es in den vergangenen Tagen sehr viel geregnet hat. Hier macht sich festes Schuhwerk bezahlt. Wir laufen vorbei an Flüssen und Bächen. Am Flussbett spielen Kinder in ihren Gummistiefeln. Gummistiefel hätte ich heute auch gut gebrauchen können. Aber was soll’s? Nicht verzagen, sondern weiterwandern.

Relikte im Zechenhaus Herberholz

Schon bald beginnt für uns die Reise in die Vergangenheit, als der Bergbau in dieser Gegend noch aktiv stattfand. Wir erreichen das Zechenhaus Herberholz, in dem liebevoll ein Bergbaumuseum eingerichtet wurde. Zu sehen sind Abbildungen und Ausstellungsstücke des historischen Bergbaus. Im umliegenden Areal, werden viele Erinnerungsstücke aus dem ehemaligen Bergbau ausgestellt. So finden wir neben Maschinen und Förderwagen (sogenannte Loren) auch Nachbauten eines Stollens und viele kleine Sammlerstücke wie z. B. Grubenlampen oder Kleidungsstücke der Bergleute. Ein Biergarten ist hier ebenfalls vorhanden, der zu einer kleinen Rast einlädt.

Zechenhaus Herberholz
Im Zechenhaus Herberholz gibt es viele Relikte aus dem Bergbau zu sehen.

Zechenhaus Herberholz
Muttentalstraße 32
58452 Witten
www.muttental-zechenhaus-herberholz.de

Die Außenausstellung ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Eintritt frei.

Der Muttental Bergbauwanderweg verläuft nun weiter idyllisch durch das Waldgebiet und führt uns vorbei an einem Meilerplatz. Außerdem entdecken wir während der gesamten Wanderstrecke immer wieder Stolleneingänge, teilweise recht klein und gut versteckt. Zu jeder dieser Zeche gibt es eine Infotafel mit Erklärungen über die mühselige Arbeit damals.

Kohletransport mit der Muttentalbahn

Mit dem Abbau der Steinkohle war die Arbeit noch nicht getan. Sie musste schließlich auch noch zum Kunden transportiert werden. Das gestaltete sich damals recht aufwändig, erst mit Hilfe von Pferden und Maultieren. Später dann wurde die Steinkohle mit Laufkarren (eine Art Schubkarre) zur Ruhr gebracht und dort mit Lastkähnen weitertransportiert.

Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete man eine Pferdebahn, die Muttentalbahn. Sie zählt übrigens zu der ältesten ihrer Art in Europa. Auf einer Gesamtstrecke von ca. 6 km zogen Pferde das schwarze Gold in Loren auf den Schienen von den Bergwerken zu den Lagerstätten. Zur Erinnerung an die Muttentalbahn stehen am Wegesrand zwei gefüllte Loren auf einem Schienenrest.

Muttentalbahn
Am Wegesrand stehen Loren der ehemaligen Muttentalbahn.

Fördergerüst der Zeche Renate

Wir wandern weiter durch den schönen Wald, begleitet vom Muttenbach und erreichen die Zeche Renate. Hier finden wir zur Abwechslung nicht nur einen Stolleneingang vor, sondern ein Maschinenhaus und ein Fördergerüst. Denn der Schacht der Zeche Renate wurde schräg im Flöz errichtet und wurde mit Hilfe des Schachtgerüstes hochgezogen.

Nun steigen wir ein kurzes Stück bergauf und erreichen schon die nächste Sehenswürdigkeit.

Zeche Renate
Das Fördergerüst der Zeche Renate

Kohle mit Dreibaum per Hand fördern

Zu sehen gibt es einen Dreibaum, ein Gestell auf drei Beinen. Mit seiner Hilfe wurde die Kohle von Hand in Körben über eine Seilwinde hinaufgezogen. Dies war sicherlich eine sehr schweißtreibende Arbeit. Ganz in der Nähe befindet sich eine Gedenktafel für die verunglückten Bergleute.

Der Bergbauwanderweg Muttental führt uns weiter durch den beschaulichen Wald und vorbei an Bächen. Bis wir zwischen den Bäumen ein spitzes Holzdach entdecken.

Göpelschacht Moses

Wir erreichen den Göpelschacht Moses. Da dieser Schacht zu tief für die Förderung mit einem Dreibaum war, nutzte man hierfür das Göpelhaus. Es handelt sich um ein rundes Gebäude mit spitzem Dach. Im Haus lief ein Pferd im Kreis und trieb so einen Querbalken an, der mit einer Seiltrommel verbunden war. Auf diese Weise wurden früher die Kohlekörbe hinauf- bzw. herabbefördert. Heute nutzen Wanderer das Göpelhaus gerne als Unterstand für eine Rast.

Göpelschacht Moses in Witten
Rundes Göpelhaus am Göpelschacht Moses

Trödel-Sammelsurium

Nach dem Göpelschacht verläuft die Wanderroute ein Stück an der Straße entlang. Wir sehen den Turm der kleinen Feuerwache Vormholz, kommen an laut schnatternden Gänsen und an Pferden vorbei und entdecken eine knallrote Liegebank. Und auch hier kommen wir immer wieder – du ahnst es sicher schon – an stillgelegten Stollen und ehemaligen kleinen Zechen vorbei.

Doch was unsere Aufmerksamkeit erregt, ist ein Sammelsurium an antikem Trödel, der am letzten Wohnhaus kurz vor dem Waldeingang aufbewahrt wird. Scheinbar wahllos werden hier diverse Dinge gelagert. So zum Beispiel auch ein Straßenschild mit Uhr.

Muttental Bergbauwanderweg
Seltsamer Fund am Wegesrand.

Burgruine Hardenstein

Uns noch sehr darüber wundernd, wer denn hier seiner Sammelleidenschaft zum Opfer gefallen sein mag, folgen wir dem Wanderweg wieder in den Wald hinein. Als nächstes wollen wir zur Burgruine Hardenstein wandern, die an der Ruhr liegt.

Die Burg Hardenstein in Witten stammt aus dem 14. Jahrhundert und diente als Wohnsitz der Herrschaft Hardenberg. Zwischen der Burganlage und der Ruhr verlief die Ruhrtalbahn, mit der die Kohleabfuhr vollzogen wurde. Überquere die stillgelegten Gleise der Ruhrtalbahn und genieße den wunderschönen Blick auf die Ruhr.

Nachdem wir die Burganlage ausgiebig bewundert haben, passieren wir die Ringmauer durch das Torhaus und wandern weiter. Links von uns begleitet uns die Ruhr, rechts ist der Weg von steilen Felswänden gerahmt.

Burg Hardenstein
Die Burgruine Hardenstein

Tipp
Aufmerksame Wanderer können in den Felswänden das Antlitz des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg entdecken. Dieses Denkmal wurde 1930 mit Hammer und Meißel in den Stein gehauen.

Ruhrtalfähre

In der Nähe der Burg Hardenstein befindet sich die Anlegestelle der Ruhrtalfähre. Sie pendelt zwischen der Burgruine Hardenstein und der Schleuse Herbede hin- und her und verbindet so seit 2006 den Rad- und Wanderweg. Solltest du also Lust auf eine kleine Fährfahrt haben, dann mache doch einen Abstecher mit der Ruhrtalfähre und genieße die Aussicht auf die Ruhr. Die Überfahrt ist kostenlos. Mit einer freiwilligen Spende kannst du dich an den Betriebskosten beteiligen.

Ruhrblick
Wundervoller Ruhrblick

Fährzeiten:
März – Mai: 9:00 – 19:00 Uhr
Juni – August: 9:00 – 21:00 Uhr
September / Oktober: 9:00 – 19:00 Uhr

Nachtigallstollen im Steinbruch Dünkelberg

Auf unserem Muttental Rundwanderweg entdecken wir sehr viele Stolleneingänge. Einen besonders sehenswerten stellt der Nachtigallstollen im Steinbruch Dünkelberg dar. In diesem Steinbruch wurde Tonstein zur Herstellung von Ziegeln gewonnen. Der Tonstein wurde dann durch den Nachtigallstollen zur Ziegelei auf dem Gelände der Zeche Nachtigall Muttental transportiert. Heute ist der Nachtigallstollen ein Besucherstollen, der während einer einstündigen Führung besichtigt werden kann. Weitere Infos dazu findest du auf der Homepage des Besucherbergwerks Nachtigallstollen. Wir werden jetzt weiter zur Zeche Nachtigall wandern.

Steinbruch Dünkelberg
Stolleneingang im Steinbruch Dünkelberg
Nachtigallstollen
Besucherbergwerk Nachtigallstollen

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten

Das zum Besucherbergwerk gehörende Museum lässt auch nicht lange auf sich warten. Schon bald erreichen wir das enorm große Gelände der ehemaligen Zeche Nachtigall. Einst ein Steinkohlebergwerk, später eine Ziegelei mit Ringofenanlage, ist hier heute das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall untergebracht. Erfahre mehr über die Industriegeschichte in dieser Region und besuche das Bergwerk. Wie bereits erwähnt, werden in der Zeche Nachtigall diverse Führungen angeboten.

Tipp für Eltern: Man kann in der Zeche Nachtigall Kindergeburtstag feiern.

LWL-Industriemuseum
Nachtigallstraße 35
58452 Witten
www.zeche-nachtigall.lwl.org

Öffnungszeiten:
Di – So sowie an Feiertagen: 10 – 18 Uhr
Letzter Einlass um 17:30 Uhr

Zeche Nachtigall
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten

Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia

Wir marschieren an dem Zechengelände Nachtigall vorbei. Dabei laufen wir mit Blick auf die Ruhr an den Schienen der Ruhrtalbahn entlang. Schließlich gelangen wir zum Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia. Zahlreiche Lokomotiven und Waggons aus dem Bergbau stehen hier und können besichtigt werden. Der Eintritt für das Museum ist frei. Ein besonderes Highlight: Du kannst mit der Muttenthalbahn vom Parkplatz Nachtigallstraße zum Gruben- und Feldbahnmusuem Zeche Theresia und weiter zum LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall fahren.

Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia
Nachtigallstraße 27-33,
58452 Witten
www.muttenthalbahn.org

Öffnungszeiten: jeweils von 11.00 – 18.00 Uhr

Nun haben wir es nicht mehr weit bis zum Parkplatz und damit zu unserem Ausgangspunkt unserer heutigen Wandertour.

Muttenthalbahn
Hier kommt die Muttentalbahn vorbei.

Fazit zum Muttental Bergbauwanderweg

Der Muttental Bergbauwanderweg in Witten ist eine sehr schöne Möglichkeit, bei einer Wanderung durch die Natur viele interessante Dinge über den Bergbau zu erfahren. Für uns gestaltete sich der Rundwanderweg als recht kurzweilig. Der Skulpturenpark, die Burgruine Hardenstein, die Zeche Nachtigall und die vielen teils verborgenen Stolleneingänge machen den Bergbaurundweg zu einem abwechslungsreichem Erlebnis. Dies ist sicherlich auch für Kinder sehr spannend, daher kann ich diese Wandertour auch für Familien empfehlen.

Alle Details zu unserer Wanderung kannst du dir auf www.komoot.de ansehen und herunterladen.

Wie hat dir der Bergbaurundweg Muttental gefallen? Welches Highlight hat dich auf dieser Wanderung am meisten beeindruckt? Ich freue mich über deine Meinung. Bitte hinterlasse doch dein Feedback unten als Kommentar. Vielen Dank.


Weitere Spuren des Bergbaus kannst du bei einer Wanderung von Halde zu Halde entdecken. Als besonderes Highlight wartet dann das Tetraeder in Bottrop auf dich.

Im Ruhrgebiet gibt es noch sehr viele andere interessante Wanderrouten. Einige davon gab es bei der Staffelwanderung „Ruhrpottliebe“ zu entdecken.

Der Bergbauwanderweg Muttental kreuzt den Ruhrtalradweg, der auch an das schnuckelige Essen-Kettwig und den Sehenswürdigkeiten von Mülheim vorbeiführt.


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