Netreisetagebuch trifft: Lena vom Reiseblog Family4Travel

In der Interview-Serie „Netreisetagebuch trifft“ stelle ich dir Reiseblogger aus aller Welt vor. Heute lernen wir Lena von Family4Travel kennen, die schon seit 13 Jahren als Reisebloggerin unterwegs ist. Dabei hat sie gemeinsam mit ihrer Familie eine ganze Menge erlebt: Vom Schlittenfahren auf dem Ätna bis hin zum Nomadenleben war vieles dabei.

Zuerst erfährst du im kompakten Steckbrief, wer hinter dem Blog steckt, bevor wir Lena im Interview all ihre Geschichten entlocken. Und zum Schluss gibt es noch einen Tipp des Monats.

Family4Travel im Überblick

Family4Travel
Heute sprechen wir mit Lena von ‚Family4Travel‘
  • Name: Lena Marie Hahn
  • Beruf(ung): Texten in so ziemlich jeder Beziehung
  • Lieblingsreiseziel: Deutschland und Europa, Schottland, Estland
  • Traumziel (noch unerfüllt): Grönland
  • Ich reise am liebsten… individuell mit der Familie (meistens Roadtrips)

Interview mit Lena

Wann hast du mit deinem Reiseblog begonnen und warum?

2013 haben wir begonnen, unsere knapp einjährige Europareise zu planen. Eine Freundin, damals eine bekannte Lifestyle-Bloggerin, sagte damals zu mir: „Dann musst du unbedingt bloggen! Reiseblogger kriegen doch überall kostenlose Übernachtungen hinterhergeschmissen!“ So war es dann natürlich nicht. Aber Spaß gemacht hat es, im damals noch sehr regen Austausch mit der Leserschaft unsere Erfahrungen zu teilen. Also bin ich dabei geblieben.

Welche Art von Reisen spricht dich am meisten an: Abenteuer, Kultur oder Entspannung?

In der Sonne am Strand liegen kann ich nicht. Und eng gepackter Urlaub auf dem Campingplatz ist mir auch ein Gräuel. Ansonsten bin ich eigentlich für jeden Spaß zu haben. Wir lieben Städtetrips mit kulturellem Tiefgang. Noch mehr mögen wir Wanderurlaub mitten in der Natur, am liebsten in Schottland, draußen auf den Inseln oder in den Highlands. Wir erkunden aber auch gerne die nähere Umgebung. Und ich habe den Ehrgeiz, die Deutschlandkarte in meinem Reiseblog mit so vielen verlinkten Erfahrungsberichten zu pflastern, dass nichts Weißes mehr zu sehen ist – wenigstens solange Deutschland als Ganzes auf den Bildschirm passt. Nach 13 Jahren Bloggen habe ich das noch nicht ganz geschafft, bin aber auf einem guten Weg.

Wie verändert sich das Reisen mit Kindern, Partnern oder Freunden?

Martin und ich sind als sehr junges Paar nur zwei Mal verreist. Dann hatten wir schon ein Baby. Reisen mit Kindern ist seitdem der Normalzustand. Das ändert sich vor allem natürlich im Laufe der Jahre mit dem Alter und entsprechend den Interessen der Kinder. Aber Spaß macht es immer. Nur in der akuten Pubertät vielleicht nicht. Die kann schon ein echter Stimmungskiller sein. Da man durch diese Zeit aber irgendwie durch muss, egal ob zu Hause oder unterwegs, sind wir trotzdem immer gerne gereist. Die Kunst besteht halt darin, alle Bedürfnisse und Wünsche irgendwie auszubalancieren. Das ist manchmal schwierig, aber möglich.

Gab es eine Reise, die dich besonders geprägt hat?

Da ist natürlich unsere große Reise: elf Monate quer durch Europa, ein Roadtrip mit zwei schulpflichtigen Kindern. Janis war zehn, Silas ist unterwegs acht geworden. Wir haben 21 Länder bereist, waren an keinem einzelnen Ort länger als eine Woche. Echtes Nomadenleben. Nicht nur, aber ganz viel Couchsurfing. Das war eine Once-in-a-lifetime-Sache. Mittlerweile ist das zwölf Jahre her. Es hat uns als Familie echt geprägt und trägt uns bis heute.

Netreisetagebuch trifft Family4Travel
Die gesamte Family auf Reisen

Was vermisst du unterwegs? Und was vermisst du nie?

Mit kleinen Kindern vermisse ich unterwegs irgendwann Zeit für mich, ohne 24/7-Gequake im Ohr. Die nehme ich mir dann aber einfach. Was ich nie vermisse, sind andere Deutsche oder deutsche Produkte. Seit wir eine kleine Nachzüglerin haben, die sich unterwegs über Kinder freut, mit denen sie sich verständigen kann, machen wir aber auch keinen Bogen mehr um andere Tourist*innen. Mit sich ändernden Bedürfnissen ändert sich auch beim Reisen einiges im Laufe der Jahre.

Was war dein schönster oder skurrilster Moment unterwegs?

Boah, das sind natürlich einige, die mir da einfallen. Früher, als das Portal noch gut funktionierte, haben wir oft über Couchsurfing übernachtet. Da gab es reichlich, sowohl schöne als auch skurrile Momente. Man lernt dabei so herrlich die Welt kennen, auf ganz verschiedenen Ebenen. Am wunderschönen Ohridsee in Nordmazedonien haben wir uns zum Beispiel mit einem ägyptischen Gaststudenten verabredet und gemeinsam die Stadt erkundet. Auf Sizilien hat uns eine Familie mit zum Schlittenfahren auf dem Ätna mitgenommen. In Griechenland haben wir in der Backstube einer Dorfbäckerei ausgeholfen. Viele Geschichten davon stehen in meinem Buch „Die Entdeckung Europas“.

Einer der wirklich schönsten Momente, in dem ich einfach nur glücklich war, am liebsten die Zeit angehalten und für immer so geblieben wäre, war auf einer Wanderung auf Great Bernara, einer Insel der Äußeren Hebriden. Da fühlte ich mich so richtig und eins mit der Natur, dass mir die Tränen die Wangen runtergelaufen sind. Das war einfach mein Ding da.

Was war die größte Herausforderung, die du auf Reisen gemeistert hast?

Oh, wir haben im Laufe der Zeit so einige Herausforderungen gewuppt. Unsere größte Pechsträhne hatten wir in Italien. Am Vortag wurde uns in einem Vorort von Rom auf dem Bahnhofsparkplatz ein Autofenster eingeschlagen. Weil wir die nächste Unterkunft verabredet hatten, haben wir erst einmal einen Müllsack über das Loch geklebt und sind bis in die Nähe von Neapel gefahren. Bei der Pause am Strand ist Martin beim Wenden dem Sand zu nahe gekommen und wir haben zwei Stunden gebraucht, um ohne echtes Werkzeug unser aufgesessenes Auto auszugraben.

Angekommen an der nächsten Unterkunft hat sich Martin beim Auspacken dann einen Bänderriss zugezogen. Ach ja, und das damals einzige Smartphone in der Familie und unser wichtigstes Reiseplanungsinstrument, ist bei dem Sturz auch noch zu Bruch gegangen. Das war echt nicht unser Tag. Aber wir haben dann ganz liebe Hilfe bekommen von unserer Gastgeberin.

Organisatorisch die größte Herausforderung, an der ich wirklich gewachsen bin, war zwei Jahre später meine sechswöchige Recherchereise durch Irland für unseren Familien-Reiseführer, alleine mit den Jungs. Da ist meine Hochachtung vor Alleinerziehenden noch mal sehr gewachsen. Da es wirklich eine Reise voller Arbeit war und sehr eng durchgetaktet, war es höllisch anstrengend. Aber auch richtig schön!

Hat sich dein Reiseverhalten über die Jahre verändert?

Ja. Wir haben unser erstes Kind noch im Studium bekommen. Damals lebten wir offiziell unter der Armutsgrenze (was mich schockiert hat, als ich das herausfand, denn so habe ich das nie empfunden). Jeden Euro zweimal umzudrehen, haben wir uns damals angewöhnt und beibehalten, Urlaub anfangs nur bei Freunden oder eben über Couchsurfing gemacht.

Dann haben wir unseren Langzeitreiseplan gefasst und dafür weiter eisern gespart. Nach der Reise haben wir als mittlerweile Okay-Verdienende ohne Sparziel auf einmal mehr Geld zum Reisen gehabt. Luxusurlaub ist trotzdem nicht unser Ding. Aber gerade wenn man ein Faible für Schottland und auch Skandinavien hat, schrumpft die Reisekasse auch bei moderaten Unterkünften schnell zusammen. Aber es ist schon angenehm, manchmal doch einfach die schön eingerichtete Ferienwohnung zu buchen, statt die von der rausgestorbenen Oma am untersten Ende der Preisskala.

Lena Family4Travel
Das Reisen verändert sich

Welches Reiseziel würdest du allen Lesern wärmstens empfehlen?

Deutschland. Unser Heimatland hat so viele fantastisch schöne Ecken, dass wirklich jede und jeder was Passendes findet. Die Anfahrt ist günstig und nicht so klimaschädlich wie ein Flug. Außerdem haben ja gerade wir Deutschen die Tendenz, in den exotischsten Winkeln der Welt herumzukraxeln, ohne je im Naturschutzgebiet 20 Kilometer von unserer Haustür gewesen zu sein. Dabei lohnt sich das!

Wie findest du Orte, die nicht im Reiseführer stehen?

Mein Universalinstrument ist Google Maps. Wenn ich diesen Tipp weitergebe, wundere ich mich immer wieder darüber, dass er anderen oft gar nicht so viel hilft. Offenbar braucht man doch ein gewisses Gespür, oder vielleicht auch einfach Erfahrung, um die richtigen Stellen ranzuzoomen, die richtigen Suchanfragen zu stellen und die Ergebnisse zu filtern. Instagram nutze ich eher als Informationsquelle, wo ich NICHT hinwill, weil zu überlaufen. Wenn ich mich auf ein Ziel eingeschossen habe, suche ich auf jeden Fall gezielt nach Reiseblogs. Leider gibt es gar nicht mehr so viele gute.

Welches Reiseziel steht auf deiner persönlichen Bucket List ganz oben?

Eigentlich bin ich durch. Alle Länder, die ich unbedingt sehen wollte, habe ich bereist. Jetzt reisen wir immer öfter ein zweites Mal an Orte, die uns gefallen haben. Dabei besuchen wir nur selten genau die gleichen Orte, sondern erkunden all das, was wir beim ersten Mal links liegen lassen mussten. So haben wir es zum Beispiel letztes Jahr bei unserem zweiten Roadtrip durchs Baltikum gehandhabt. Und da ist immer noch mehr als genüg übrig, dass wir uns auch ein drittes, viertes, fünftes Mal nicht langweilen würden.

Dieses Jahr geht es erst einmal wieder nach Schottland – das eine Reiseland, wohin es mich wirklich immer wieder zieht. Nächstes Jahr wird es wohl noch mal Schweden, aber eher der Westen. Nach Polen müssten wir auch noch mal, davon haben wir bisher viel zu wenig gesehen. Und Wales würde ich mir auch gerne noch mal vornehmen.

Du hast auf deinem Blog eine eigene Kategorie „Bloggendes Kind“. Was verbirgt sich dahinter?

Vor allem während unserer großen Reise haben die Jungs manchmal selbst ein bisschen gebloggt. Als Reiseberichte sind diese Texte nie wirklich zu gebrauchen gewesen, aber für uns sind sie schöne Erinnerungen.

Family4Travel
Lena’s Kinder haben schon viel von der Welt gesehen

Hast du einen Blogpost, auf den du besonders stolz bist?

Ich hoffe, dass ich zum Beispiel mit meinem Erfahrungsbericht über Reisen mit dem E-Auto anderen Familien Mut machen und helfen kann. Ein bisschen stolz bin ich auf meinen Beitrag über Rostock mit Kindern, der zumindest zeitweise mal besser rankte als die lokale Tourismusseite. Richtig Mühe gegeben habe ich mir auch mit meinem Guide über Stockholm mit Kindern.

Und zum Schluss: Kaffee oder Tee?

Tee, am liebsten grün.

Tipp des Monats

Hast du noch einen Tipp des Monas für meine Leser?

In einem hervorragenden Reiseblog habe ich kürzlich gelesen, dass Dülken in NRW ein echter Geheimtipp sein soll.

Zum Abschluss

Lena versteht es, ihren Reiseblog sehr sympathisch zu führen. Doch wie du siehst, läuft auch bei Reisebloggern nicht immer alles glatt. Da hatte Lena‘s Familie aber wirklich eine heftige Pechsträhne an dem besagten Tag. Und nein, wir Blogger bekommen keine Hotelzimmer kostenlos hinterhergeschmissen.

Liebe Lena, vielen Dank für deinen ehrlichen Austausch und deine persönlichen Geschichten. Ich wünsche dir viel Erfolg beim „Befüllen“ der weißen Flecken auf deiner Deutschlandkarte.

Schon neugierig, welchen Gast wir beim nächsten Interview in meiner Serie „Netreisetagebuch trifft“ begrüßen dürfen? Lass dich überraschen, es wird wieder sehr persönlich.


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Annette

Annette schreibt seit 2018 auf ihrem Reiseblog persönliche Reiseberichte mit praktischen Tipps zu Reisezielen, Wanderungen und Radtouren. Ihr Fokus liegt dabei auf individuelles Reisen, ehrliche Eindrücke und umsetzbare Empfehlungen.

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2 Kommentare zu „Netreisetagebuch trifft: Lena vom Reiseblog Family4Travel

  1. Ich mag dein Interviewformat wirklich total gern. Das liest sich jedes Mal wie ein ehrliches Gespräch unter Reisenden und bietet gleichzeitig die Möglichkeit neue spannende Blogs zu entdecken!

    Lena verfolge ich schon länger auf ihren Reisen und ich finde, man merkt einfach, wie viel Erfahrung da drin steckt, ohne dass es irgendwie „perfekt“ wirken muss. Vor allem von der großen Europareise bin ich immer wieder beeindruckt… Das wäre ja gar nichts für mich.

    Danke dir für den schönen Einblick. Ich freu mich schon auf das nächste Interview. Dann vielleicht wieder mit einem für mich unbekanntem Blog.

    Liebe Grüße
    Lisa

    1. Liebe Lisa,
      es freut mich, dass dir die Interview-Serie gefällt. Vielleicht magst du ja auch demnächst mal an der Reihe sein…
      Viele Grüße Annette

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