Netreisetagebuch trifft: Nadine vom Reiseblog Planet Hibbel

Im heutigen Reiseblog-Interview sprechen wir mit Nadine vom Reiseblog ‚Planet Hibbel‚. Seit vielen Jahren berichtet sie dort über individuelle Reisen, Familienabenteuer und besondere Momente rund um die Welt. Im Interview erzählt sie von ihrer ersten großen Elternzeitreise nach Thailand, unvergesslichen Tierbegegnungen und warum sie trotz Fernweh heute manches anders sieht als früher. Ein ehrliches Interview über Abenteuerlust, Familienreisen, Nachhaltigkeit und ihrer nie endenden Sehnsucht nach der Ferne.

Planet Hibbel im Überblick

Netreisetagebuch trifft Planet Hibbel
Nadine von Planet Hibbel
  • Name: Nadine Lessenich
  • Beruf(ung): Selbständige Reisebloggerin und Weltentdeckerin
  • Lieblingsreiseziel: Kann ich unmöglich sagen. Aber mit meinen norwegischen Wurzeln liebe ich natürlich Norwegen und mein Herz schlägt für den asiatischen Kontinent.
  • Traumziel (noch unerfüllt): Oh, da gibt es einige Ziele. Die meisten sind jedoch in Asien, so wie Tibet, Bhutan, Nepal, Taiwan, Japan, Korea oder die STAN-Länder.
  • Ich reise am liebsten… Mit meinem Mann und dann per Roadtrip oder mit dem Zug. Meine Kinder gehen mittlerweile immer mehr eigene Reisewege und daher eröffnen sich gerade auch neue Möglichkeiten.

Interview mit Nadine

Wann hast du mit deinem Reiseblog begonnen und warum?

Planet Hibbel entstand im Oktober 2011, als wir unsere mehrmonatige Elternzeitreise nach Thailand mit unseren beiden Söhnen planten. Zu diesem Zeitpunkt war der eine vier Jahre und der andere drei Monate alt. Ursprünglich wollte ich mit dem Blog nur Familie und Freunde über unsere Zeit in Thailand auf dem Laufenden halten. Das hat sich aber schnell verselbständigt, da viele Leser:innen unseren Trip total spannend fanden, kommentierten und Fragen stellten. Ohne es zu wissen, erschuf ich damit einen der ersten Familienreiseblogs in Deutschland. Meine Söhne sind mittlerweile fast 15 und 19 Jahre alt und kennen es nicht anders, als dass ihre Mutter Reisebloggerin ist, wodurch sie auch immer ausgefallene Trips gemacht haben.

Welche Art von Reisen spricht dich am meisten an: Abenteuer, Kultur oder Entspannung?

Definitiv ein Mix aus allem. In dieser Hinsicht kann man mich in keine Schublade stecken. Am liebsten reise ich individuell, um in andere Welten einzutauchen. Dazu gehören natürlich Abenteuer und Kultur. Ich habe aber auch nichts gegen entspannte Tage, an denen ich einfach die Seele baumeln lassen kann. Was jedoch de facto nichts für mich wäre, wären Pauschalurlaube, in denen ich nicht aus der Anlage rauskomme, oder Kreuzfahrten.

Planet Hibbel
Kultur gehört für Nadine zum Reisen dazu

Gibt es eine Reise, die dein Leben oder deine Sichtweise verändert hat?

Mitte der 90er Jahre war ich in Costa Rica und habe ein neuseeländisches Paar kennengelernt, das bereits seit vier Jahren um die Welt reiste. Das fand ich krass beeindruckend und danach stand für mich fest: Das will ich auch. 1999 habe ich dann eine einjährige Weltreise gemacht und 2002 mit einem Campervan Australien umrundet. Natürlich alles noch analog und ohne Social Media im Gepäck. Das hat meine Sicht auf die Welt auf jeden Fall verändert. Ich weiß unser privilegiertes Leben in Deutschland sehr zu schätzen, bin mental jedoch nie ganz angekommen und habe eigentlich immer Fernweh.

Was vermisst du unterwegs? Und was vermisst du nie?

In meinen 20ern habe ich mir das Zimmer teilweise mit Bettwanzen, Ratten, Kakerlaken und Riesenspinnen geteilt. Heute ist mir schleierhaft, wie ich das ausgehalten habe. Mit über 50 weiß ich ein bequemes Bett und ein sauberes Bad extrem zu schätzen und möchte auf einen gewissen Komfort auch nicht mehr verzichten. Daher macht man manche Dinge wirklich besser in jungen Jahren. Ansonsten vermisse ich nichts. Sobald ich auf Reisen bin, denke ich auch nicht mehr an daheim.

Reiseblog-Interview Planet Hibbel
Naturtrip in Flandern

Was war die größte Herausforderung, die du auf Reisen gemeistert hast?

Ich habe bisher immer wahnsinnig viel Glück gehabt und hatte wenig brenzlige Situationen auf Reisen. Zum Glück war weder ich noch meine Familie je schwer krank oder hatte einen Unfall. Das ist schon die halbe Miete. Ansonsten wurden wir einmal in Thailand bestohlen. Während wir auf dem Deck unserer Autofähre saßen, hat ein Dieb unser Gepäck im Bus durchsucht und alles mitgenommen, was ihm gefiel. Dazu gehörten fast alle Babyklamotten unseres damals sieben Monate alten Sohnes. Im australischen Outback ist uns außerdem einmal etwas an der Achse unseres Vans kaputtgegangen. Die letzten 200 Kilometer bis zur nächsten Werkstatt konnten wir nur noch im Schritttempo fahren. Rückblickend ist es mir ein Rätsel, wie wir je da angekommen sind.

Wie gehst du mit Nachhaltigkeit auf Reisen um?

Ein schwieriges Thema, da mir das Wohl unseres Planeten sehr am Herzen liegt, ich gleichzeitig aber eine echte Globetrotterin bin. In meinen 20ern habe ich jahrelang für verschiedene Airlines gearbeitet und bin seitdem so viel geflogen, dass mein CO2-Budget wahrscheinlich für 10 Leben verbraucht ist. Gefühlsmäßig müsste ich mich jedoch nie wieder in ein Flugzeug setzen. Leider wurde das  Beamen aber noch nicht erfunden.

Als Familie haben wir es jedoch fast fünf Jahre geschafft, gar nicht mehr zu fliegen, und sind nur noch mit dem Auto oder dem Zug durch Europa gereist. Bedingt durch Corona war das anfangs relativ leicht, auch wenn meine Sehnsucht nach Asien, das ich liebe, sehr groß war. Irgendwann war ich durch die zahlreichen Kriege und den Rückschritt in puncto Klimaschutz jedoch so desillusioniert, dass ich mich wieder in ein Flugzeug gesetzt habe. Ich versuche zwar immer noch, weitestgehend darauf zu verzichten und setze mich, wenn möglich, in den Zug. Ich geißele mich deswegen aber auch nicht mehr. Ansonsten achte ich vor Ort darauf, lokale Anbieter in jeder Form zu unterstützen und so wenige Fußspuren wie möglich zu hinterlassen.

Bloginterview Planet Hibbel
Nachhaltigkeit ist für Nadine ein wichtiges Thema

Was war dein schönster oder skurrilster Moment unterwegs?

Auch da gibt es natürlich einiges. Ich habe beispielsweise den Start des Space Shuttles Discovery in Cape Canaveral miterlebt. Das war unglaublich beeindruckend. In Western Australia bin ich mit meterlangen Walhaien geschnorchelt. Und auf dem Dach eines Maya-Tempels in Tikal, Guatemala, hatte ich einen magischen Moment, als die Sonne über dem Dschungel aufging und man die Rufe der Brüllaffen kilometerweit hörte.

Die skurrilsten Momente hatte ich jedoch fast immer mit Tieren. In Kanada wurde ich mal von einem Stinktier angepieselt (fragt nicht). In Südafrika hat morgens um 6 Uhr das zahme Warzenschwein unserer Lodge mit seinem Rüssel die Verandatür aufgeschoben, stand plötzlich vor unserem Bett und wollte auch zu uns rein. Ich werde nie vergessen, wie mein Mann und ich versucht haben, dieses gigantische Tier wieder aus unserem Zimmer zu bugsieren. Wir haben dabei Tränen gelacht. Und in Malaysia hörten wir immer seltsame Geräusche aus dem Dach unserer Strohhütte, dass wir erst nach ein paar Tagen identifizieren konnten. Da kam plötzlich ein riesiger Waran aus unserem Dachstuhl geklettert.

Welches Reiseziel würdest du allen Leser:innen wärmstens empfehlen?

China! Wir waren nun schon zum dritten Mal dort und ich kann nur sagen: Schaut es euch selbst an! Das Land hat sich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht neu erfunden und viele der im Westen vorherrschenden Vorurteile stimmen de facto einfach nicht (mehr).

Nadine von Planet Hibbel
Nadines Reisetipp: China

Und zum Schluss: Kaffee oder Tee?

Im Alltag immer Kaffee. Eine traditionelle Teezeremonie in China ist jedoch auch etwas ganz Besonderes.

Zum Abschluss

Vielen Dank an Nadine für die spannenden Einblicke. Als langjährige Reisebloggerin hat sie ja schon eine ganze Menge erlebt. Ich meine, wer kann schon behaupten, einmal Besuch von einem Warzenschwein bekommen zu haben? Und Nadines ehrliche Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit und Fernweh zeigen, dass Reisen heute oft ein Balanceakt zwischen Sehnsucht und Verantwortung ist. Umso spannender ist es, dass sie dabei ihren ganz eigenen Weg gefunden hat, ohne den Blick für die Schönheit und Vielfalt unserer Welt zu verlieren.

Schon neugierig, welchen Gast wir beim nächsten Interview in meiner Serie „Netreisetagebuch trifft“ begrüßen dürfen? Lass dich überraschen, es wird wieder sehr persönlich.


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Annette

Annette schreibt seit 2018 auf ihrem Reiseblog persönliche Reiseberichte mit praktischen Tipps zu Reisezielen, Wanderungen und Radtouren. Ihr Fokus liegt dabei auf individuelles Reisen, ehrliche Eindrücke und umsetzbare Empfehlungen.

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