Wanderweg rund um Alt-Kaster: Auf der Jagd nach dem Werwolf bis zum Kasterer See

Trotz des doch recht trüben Oktober-Wetters beschließen wir, einen Herbstspaziergang zu unternehmen. Unser heutiges Ziel: Ein Rundweg um das Gebiet von Alt-Kaster bei Bedburg in NRW. Wir besichtigen nicht nur das historische Örtchen Alt-Kaster, sondern erfahren auch die Geschichte des Werwolfs von Epprath. Außerdem bewegen wir uns auf rekultiviertem Land und sind dabei auf den Spuren ehemaliger Ortschaften, die dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen mussten.

Historisches Alt-Kaster

Unser Rundweg startet in Alt-Kaster. Als erstes besichtigen wir das kleine alte Örtchen, das von einer Stadtmauer samt Graben umgeben ist. Wir schreiten durch das Agathator und befinden uns im historischen Ortskern. Wir schlendern an den vielen alten Häusern vorbei, teilweise bestehend aus Fachwerk. So manches Haus ist allerdings renovierungsbedürftig und außer einem Landgasthof sucht man hier vergebens nach Geschäften oder Cafés. Dennoch lohnt sich ein kurzer Abstecher in das kleine mittelalterliche Dorf. Dank der Verschiebung der Braunkohleabbaugrenze von 1956 blieb der Ort erhalten und wurde nicht, wie so viele andere Dörfer in seiner Nachbarschaft, abgerissen.

Alt-Kaster
Hereinspaziert
Alt-Kaster
Alt-Kaster

Zuckerrüben, so weit das Auge reicht

Vor dem Agathator finden wir den ersten Hinweis über den Werwolf von Epprath, doch dazu erzähle ich dir später mehr. Wir laufen ein Stück an der gut erhaltenen Stadtmauer entlang. An der Kasterer Mühlenerft zweigt nun rechts der Werwolf-Wanderweg ab. Doch wir wenden uns nach links, denn wir haben uns eine andere Route für heute ausgesucht. Unzählige Kastanien liegen auf dem Weg. Hier finden Kinder reiche Beute zum Basteln. Es geht vorbei an einem Spielplatz und einer Streuobstwiese.

Nach einer Rechtskurve folgen wir links einem sehr kleinen Waldweg, dem A1. Fast hätten wir ihn übersehen. So dicht bewachsen ist der Waldweg. Immer wieder entdecken wir selbstgebaute Zelte, die aus den hier herumliegenden Baumstämmen errichtet wurden. Vor einer Unterführung steigen wir links ziemlich steil den Abhang hinauf. Nun verlassen wir den Wald und wandern an den Zuckerrübenfelder vorbei. Diese werden gerade geerntet und türmen sich zu Bergen rechts und links auf. Nur 10 km weit entfernt befindet sich in Elsdorf eine Zuckerfabrik, die die Zuckerrüben weiterverarbeiten wird.

Zuckerrüben
Berge von Zuckerrüben

Buon Camino

Wir befinden uns nun übrigens auf dem Jakobsweg. Mein Mann (der Spaßvogel) überlegt, ob er den entgegenkommenden Spaziergängern ein fröhliches „Buon Camino“ zurufen soll. Die Reaktion wäre sicherlich interessant gewesen, doch er unterlässt es dann doch. Zum Glück dauert der Weg über die Felder nicht allzu lang und so verschwinden wir wieder in das Dickicht des Waldes. Der Waldweg ist ziemlich eng bewachsen und führt sogar über einen recht wackligen Brettersteg.

Wanderweg Kaster
Die Bretter waren nicht mehr ganz so stabil

Auf rekultiviertem Land unterwegs

Doch auch den Waldweg verlassen wir nach circa einem Kilometer wieder und es geht fortan wieder über die Felder. Dabei bewegen wir uns auf dem ehemaligen Abbaugebiet des Tagebaus Garzweiler, das bereits rekultiviert wurde.

Die Tatsache, dass sich hier früher ganze Ortschaften befunden haben, die dem Braunkohletagebau weichen mussten, macht mich nachdenklich. Wie müssen sich wohl die damaligen Bewohner gefühlt haben, als sie ihr Hab und Gut aufgeben mussten? Als sie zusehen mussten, wie ihre Heimat dem Erdboden gleich gemacht wurde? Ich kann es mir nur schwer vorstellen. Die Bewohner wurden übrigens allesamt nach Kaster umgesiedelt.

Rekultiviertes Tagebau-Gelände
Rekultiviertes Tagebau-Gelände

Gedenken an Schloss Harff und ehemalige Ortschaften

Wir durchqueren das ehemalige Morken-Harff. Hier erinnert eine Gedenktafel an das Schloss Harff. Dieses prachtvolle Wasserschloss aus dem 14. Jahrhundert ist ein weiteres Opfer des Tagebaus. Es handelte sich um eine große Schlossanlage mit mächtigem Bergfried, Bibliotheksgebäude, Stallungen und Schlosspark. 1972 wurde es allerdings zugunsten des Braunkohlebergbaus gesprengt.

Ein Stück weiter stoßen wir an die nächste Gedenkstätte: Dem Wegekreuz Morken-Harff, das an die Umsiedelung des früheren Ortes erinnern will. Später kommen wir noch an einem „Gedenk-Stein“ für die Häuser von Darshoven vorbei, die ebenfalls umgesiedelt wurden. Was für ein Wahnsinn.

Wegekreuz Morken-Harff
Wegekreuz Morken-Harff

Von Feldmausgräben und Kühltürmen

Unser Wanderweg führt weiter über Felder, vorbei an vielen Windkrafträdern. Außer Zuckerrüben sehen wir auch Möhrenfelder. Hier entdecken wir eine Besonderheit: Die Bauern haben um die kompletten Felder herum einen tiefen Graben geschaufelt, um Feldmäuse von ihren Möhren fernzuhalten. Die würden ansonsten großen Schaden für die Möhrenernte anrichten.

Feldmausgräben
Mäuse sind hier unerwünscht

Oft im Blick haben wir bei unserer Wanderung die Kohlekraftwerke von Frimmersdorf. Deren Kühltürme stoßen unübersehbar dicke dichte Wolken aus ihren Schloten. Diese Kohlekraftwerke waren mir bereits bei unserer Fahrradtour auf dem Erft-Radweg ein Dorn im Auge.

Naherholungsgebiet Kasterer See

Endlich erreichen wir wieder den Wald und schon bald erblicken wir den Kasterer See. Dieses idyllische Naherholungsgebiet ist mal ein positiver Effekt aus der Rekultivierungsmaßnahme des Tagebaus. Wir spazieren durch den Wald am langgezogenen See entlang und treffen hier wieder auf Teile des Werwolf-Wanderwegs.

Kasterer See
Kasterer See

Burgruine von Alt-Kaster

Wir nähern uns wieder Alt-Kaster. Vor den Toren steht die Ruine von Burg Kaster, der ehemaligen Burg der Grafen von Jülich aus dem 13. Jahrhundert. Seit dem Dreißigjährigen Krieg ist die Burg zerstört, übrig geblieben sind leider nur noch Mauerreste. Wir entdecken eine Selfie-Box, die hier aufgestellt wurde. Die nehmen wir natürlich direkt mal in Anspruch. Also schnell ein paar Bilder von uns vor der Ruine stehend machen. Und dann sind wir auch schon wieder in Alt-Kaster angelangt, wir müssen nur noch eine kleine Brücke überqueren. Und somit endet unsere heutige Wanderung wieder.

Burgruine Kaster
Burgruine Kaster

Der Werwolf von Epprath

Nun aber zu der anfangs versprochenen Geschichte des Werwolfs von Epprath. Der soll der Überlieferung nach jahrelang sein Unwesen getrieben haben. Der aus dem Weiler Epprath stammende Bauer Peter Stubbe habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Dieser erlaubte es ihm, sich durch einen Gürtel aus Wolfsfell in einen Werwolf zu verwandeln. 25 Jahre lang mordete und zerstückelte er Menschen, um sie zu fressen. Es wurde eine Bürgerwehr gegründet, um die Bestie zu jagen. 1589 bekamen sie ihn schließlich zu fassen und brachten ihn vor das Bedburger Magistrat, das ihn zum Tode verurteilte. Es ist der weltweit bekannteste Werwolf-Prozess. Eine ganz schön grausige Geschichte, oder?

Werwolf-Wanderweg
Folge einfach dem Werwolf

Wenn du den Werwolf-Wanderweg gehen möchtest, folge einfach ab dem Agatha-Tor den Werwolf-Schildern. Dann wirst du zu den einzelnen Schauplätzen geführt und erfährst an Infotafeln mehr über das Leben von Peter Stubbe. Weitere Informationen zu diesem Wanderweg erhältst du unter www.bedburg.de.

Mein Fazit

Trotz des recht trüben Herbstwetters war dies eine schöne Runde, bei der es abwechselnd durch den Wald und über die Felder ging. Die Wanderwege sind variierbar: Rund um Alt-Kaster gibt es mehrere Möglichkeiten, entlang zu spazieren. Das Naherholungsgebiet am Kasterer See ist auf alle Fälle sehr lohnenswert. Wer ausreichend Zeit mitbringt, kann noch einen Abstecher ins drei Kilometer entfernte Bedburg unternehmen und dort auf dem Marktplatz in eines der vielen Gastronomien einkehren.

Dass wir über weite Teile durch nicht mehr vorhandene Ortschaften wanderten, machte mich schon sehr nachdenklich. Es ist zwar schön zu sehen, dass das Land rekultiviert wurde. Doch der Braunkohletagebau hat die Gegend nachhaltig verändert. Und es wird sich auch noch in den zukünftigen Jahren durch das Abpumpen des Grundwassers erheblich auswirken.

Besonders interessant gemacht hat diese Wanderung natürlich auch die Geschichte des Werwolfs von Epprath. Die Hinweisschilder mit den Informationen zu dieser grausigen Geschichte sorgen für eine spannende Abwechslung.

Info
Die Wanderung rund um Alt-Kaster ist etwa 10,4 km lang und dauert ungefähr 3 Stunden.
Parken: Einen kostenlosen Parkplatz gibt es auf der Albert-Schweitzer-Straße direkt neben dem Sportpark Epprath. Von da aus sind es ungefähr 4 Minuten Fußweg bis zum Agathator von Alt-Kaster.
Alle Details zu unserer Wanderung kannst du dir auf www.komoot.de ansehen.

Ausflugsziele in der Umgebung

  • Wie schon erwähnt, lohnt sich ein Abstecher in das benachbarte Bedburg mit seinem Wasserschloss und dem sehr schönen Schlosspark.
  • Besuche doch den Braunkohletagebau Garzweiler und werfe einen Blick in den gigantischen Tagebau. Die riesigen Schaufelradbagger wirken wie kleine Spielzeugautos.
  • Im Schloss Paffendorf in Bergheim ist das Informationszentrum zum Thema ‚Rheinische Braunkohle‘ untergebracht. Hier kannst du auch unter anderem die weiteren Pläne bezüglich des Braunkohletagebaus einsehen.
  • Das bedeutende Wasserschloss Schloss Dyck in Jüchen ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern es ist auch ein Zen­trum für Gar­ten­kunst und Land­schafts­kul­tur.
  • Ebenso wie Alt-Kaster besitzt auch die Zollfeste Zons einen historischen Ortskern. Schlendere durch die Gassen und lass dich ins Mittelalter entführen.
  • Im Stadtwald Tannenbusch in Dormagen lässt es sich angenehm spazieren gehen. Besonders für Kinder interessant ist dabei das Wildgehege und ein großer Spielplatz.

(Erwandert im Oktober 2020)


Wie hat dir der Wanderweg rund um Alt-Kaster gefallen? Wie empfindest du die landschaftliche Veränderung durch den Braunkohletagebau? Ich freue mich über deine Meinung. Bitte hinterlasse dein Feedback unten als Kommentar. Vielen Dank.

In Velbert kannst du ebenfalls auf einem renaturierten Gelände wandern. Auf dem ehemaligen Kalksteinbruch führt der Rundweg Eignerbach.

An Alt-Kaster führt übrigens auch der Erft-Radweg entlang. Solltest du also gerade auf dem Erft-Radweg unterwegs sein, dann mach doch einen Abstecher in das historische Dörfchen.

Weitere schöne Wanderrouten sind der Rundweg Grube 7 oder eine Wanderung durch den Birgeler Urwald.
Kennst du eigentlich schon die Dalheimer Mühle im Nationalpark De Meinweg?

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2 Gedanken zu “Wanderweg rund um Alt-Kaster: Auf der Jagd nach dem Werwolf bis zum Kasterer See

    1. Hallo Sabine,
      das ist ja ein lustiger Zufall.
      Aber ja, jetzt im Herbst kann es manchmal etwas ungemütlich zum Wandern werden. Vielleicht kommen ja nochmal ein paar schönere Tage. Ansonsten geht ihr den Weg einfach spätestens im nächsten Frühjahr. Bietet sich ja an, wenn er in eurer Nähe ist.
      Viele Grüße
      Annette

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